Ferry Flight von Gap nach Kamp-Lintfort

Endlich war es soweit: Nach einiger Zeit des Wartens bot sich endlich ein Wetterfenster welches genutzt werden konnte die neu erworbene DV20 aus Frankreich zu überführen! Zusammen mit Ernst Krempelsauer, wir haben uns als Team bereits auf dem Deutschlandflug 2015 bewährt, machte ich mich auf den Weg nach Gap.

Die Reise führte zunächst, unter freundlicher Mitwirkung der Kollegen von Eurowings, von Düsseldorf nach Marseille. Auf diesem Flug konnten wir die Strecke des kommenden Tages bereits aus der Airliner Perspektive begutachten. Von so weit oben ein hübscher Anblick, die weißen Hügel da unten:

Aus der Airliner Perspektive

Aus der Airliner Perspektive

Dann bot sich der Blick aufs Rhonetal, das unter einer geschlossenen Wolkendecke lag. Na das kann sich ja bis morgen noch bessern:

Rhonetal overcast

Rhonetal overcast

Schließlich dann der südlichste Punkt der Reise: Marseille:

Marseille

Marseille

Mit dem Mietauto ging es dann nach Gap. Der Flugplatz war erreicht. Da die Kommunikation nicht immer leicht war, das Internet scheint nicht überall verbreitet, so dass emails nicht ankamen, war nicht klar, ob unsere Ankunft erwartet wurde. Also sind wir zum Flieger Club und haben nachgesehen. „Unser“ Flugzeug stand draußen in der Sonne und wurde von einem Fluglehrer warm laufen lassen. Der wird doch wohl nicht damit wegfliegen? Aber nein: In regelmäßigen Abständen wurde die Maschine angelassen, der Motor auf Betriebstemperatur gebracht und auf dem Taxiway gerollt. So bleibt alles in gutem Zustand. Merke: Mechanik will bewegt sein, schonend und mit Bedacht!

Die Französin beim Sonnenbad

Die Französin beim Sonnenbad

Wir konnten uns dann bemerkbar machen und nach ein paar Minuten der Erklärung, der Korse Jean Pierre spricht ausschließlich Französisch, wir dagegen nicht, wurden wir freundlich begrüßt und uns wurde das Flugzeug erklärt. Jean Pierre war gar nicht begeistert, dass er dieses schöne Flugzeug nun nicht mehr fliegen kann. Er meint die Piper flöge sich verglichen mit der Katana wie ein LKW zu einem Sportwagen!

Ernst, der eine Katana länger nicht geflogen hatte, nahm die Gelegenheit gleich wahr um mit dem Fluglehrer Jean Pierre zu fliegen.

Testflug mit korsischem Fluglehrer

Testflug mit korsischem Fluglehrer

Nach einer Weile trafen auch noch andere Clubmitglieder ein und so gelang es mit Französisch, Englisch, Deutsch, Händen und Füßen eine Unterhaltung zu führen. Unter anderem erfuhren wir, dass dieses Wochenende die Saison für Fallschirmspringer in Tallard beginnt. Und tatsächlich wurde unter anderen das Team der französischen Nationalmannschaft von zwei Pilatus Porter (auf französisch „Pilatüs“ gesprochen) und einer Cessna Caravan in den Himmel befördert. Es hieß in Gap Tallard zählt man etwa 60.000 Sprünge pro Jahr! Das erklärt auch die 7 oder 8 Porter auf dem Vorfeld!

Nach der Verabschiedung fuhren wir zunächst das Mietauto zur nächsten Abgabestelle und ließen uns zum Hotel am Flugplatz via Taxi zurück fahren. Beim check in fragte ich, ob es notwendig sei im Restaurant zu reservieren, was verneint wurde. Völlig zu recht wie sich erweisen sollte. Waren wir doch um 19.00 Uhr die ersten Gäste- und blieben die einzigen.

Man merkt, dass die Saison noch nicht begonnen hat, wenngleich schon eine Hand voll Segelflugzeuge aufgerüstet am Platz standen. So hatten wir ausreichend Gelegenheit die Route für den kommenden Tag zu besprechen, ohne vom Lärm anderer Gäste gestört zu werden!

Um kurz nach 9.00 Uhr am kommenden Morgen standen wir im kalten Hangar des Fliegerclubs und wurden freundlich begrüßt. Jean Pierre kam kurz darauf und machte Kaffee, Dominique, die Vorsitzende des Vereins überreichte alle notwendigen Unterlagen, wir wurden unterstützt bei der Flugplanung, während dessen die F-HATD vorgewärmt und getankt wurde. Das getankte Mogas durften wir nicht bezahlen, zwei Liter Öl bekamen wir noch mit (da kein Vereins-Rotax mehr da war, brauchten sie das Öl nicht) und es gab noch die Kabinenabdeckung und Zuggabel dazu. Ein toller Service! Da kaufen wir jetzt öfter Flugzeuge!

Dann endlich wurde es Zeit für den Start. Ich hatte die Ehre des ersten Legs. Kaum waren wir in das nächste Tal eingeflogen sahen wir die gestaute Bewölkung vor uns. Auf Nachfrage bei Lyon Info erfuhren wir, dass das Wetter in Dijon besser war, so dass ein Flug on top möglich war. Diese Bewölkung sahen wir ja bereits am Vortag aus dem Eurowings Jet.

on top Richtung Grenoble

on top Richtung Grenoble

Nach einiger Zeit wurden wir aufgefordert auf 7000 ft zu sinken, da IFR Verkehr auf unserer Höhe flog. Und tatsächlich flog bald darauf ein Verkehrsflieger über uns hinweg. Das aber auch immer die Kleinen ausweichen müssen!

Airliner haben Vorrang. Warum eigentlich?

Airliner haben Vorrang. Warum eigentlich?

Ein Blick auf die VFR Karte lässt den Flug durch Frankreich als reichlich kompliziert erscheinen, wimmelt es doch von restricted areas und Lufträumen D und C. In der Praxis war es dann doch relativ unkompliziert, denn die freundlichen Mitarbeiter des Flug Info Dienstes leiteten uns sicher durch die Luft. Dennoch war ich froh, dass Ernst routiniert am Funk und sicher in der Navigation war.

So erreichten wir nach 1 h 52 Dijon Darois. Dort wurden und werden die Robin Flugzeuge gebaut. Allerdings meldete sich niemand am Funk, so dass wir zunächst blind meldeten. Ein anderer Pilot im Anflug funkte dann netter Weise auf Englisch, so dass wir uns gut in die Platzrunde einordnen konnten und sicher landeten. Einen Flugleiter gab es nicht. Dafür aber zwei Tankstellen mit je zwei Zapfsäulen.

Im dortigen Flying Club konnten wir die Betankung regeln und einen Flugplan aufgeben. Auch dort bekamen wir erst einmal einen Kaffee, den wir, wie auch die Landung, nicht zu bezahlen hatten. Insgesamt haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht mit den französischen Fliegerkollegen. Alle waren sehr hilfsbereit und zuvorkommend!

fuel stop in Dijon Darois

Fuel Stop in Dijon Darois

In Darois

In Darois

Und schon ging es weiter Richtung Deutschland. Bitburg hatten wir im Flugplan als Ziel angegeben und etwa zwei Stunden sollte es dauern. Jetzt durfte ich Funk und Navigation übernehmen, während Ernst uns flog.

PIC Ernst

PIC Ernst

Wir waren angenehm überrascht festzustellen, wie schön sich dieses Flugzeug fliegen läßt. Sehr direkt in der Steuerung und bei sparsamem Reiseflug noch gut 100 kts schnell. Zu den Reisequalitäten gehört auch das relativ niedrige Geräuschniveau.

Unterhalb der Wolken war nun schon Thermik zu spüren. So wurden wir etwas durchgeschüttelt, erreichten aber eher als geplant Bitburg. Nur 1h 41 Min. Hier ein Blick auf die VFR Karte, die wir von unten links nach oben rechts durchquerten:

die schlichte Luftraumstruktur macht VFR Fliegen zum Kinderspiel

die schlichte Luftraumstruktur macht VFR Fliegen zum Kinderspiel

Kurz vor Bitburg meldete ich mich dort an, wie ich dachte, doch der Mensch am Funk verstand mich nicht! Ist ja wie in Frankreich, dachte ich. Jedoch, es war mein Fehler. Dort wo normaler Weise die Turmfrequenz im Anflugblatt steht, steht im Anflugblatt von Bitburg die Frequenz von Spangdahlem Tower, dem nahe gelegen Militärplatz. Bitburg Info Frequenz steht rechts auf dem Blatt! Das Missverständnis konnte aber schnell geklärt werden und wir landeten kurz darauf in Bitburg. Dort angekommen mussten wir entgegen unserer Planung doch nicht nachtanken. Offenbar waren wir sparsam unterwegs. Allerdings war das Gegenteil der Fall, da der reichlich genossene Kaffee gedraint werden musste.

Der Flugleiter in Bitburg saß im Restaurant und wir mussten nicht auf den hohen Turm. Es stellte sich heraus, dass er dem Verein angehört, der unsere alte Winde gekauft hat! Und besser noch: Sie sind sehr zufrieden damit. Sie läuft jetzt mit Kunststoffseilen und Telemetrie um die Speed der geschleppten Segler zu überwachen!

Freundlicher Weise wurde uns die Landegebühr erlassen und wir sollen herzliche Grüße nach EDLC bestellen!

So sind wir auf unserer Reise auf drei verschiedenen Fremdplätzen gelandet ohne Gebühren zahlen zu müssen!

2. Stop: Bitburg. Habe ich meinen Stift oben auf dem Turm liegen lassen?

2. Stop: Bitburg. Habe ich meinen Stift oben auf dem Turm liegen lassen?

Dann mussten wir auch schon wieder aufbrechen um noch rechtzeitig vor Ende der Dämmerung in Kamp-Lintfort zu landen. Doch leider wurde das Wetter über der Eifel unerfreulicher. Relativ diesig und Untergrenzen von etwa 3500 ft machten den Flug anspruchsvoller (GAFOR: Oscar war optimistisch!). Nach der Querung der  CTR Mönchen-Gladbach flogen wir dann unter stetig schlechter werdenden Sichten bis nach EDLC.

Touch down war 12 Minuten nach Sunset. Und es erwartete uns bereits ein Empfangskomitee. Ein Glas Champagner rundete den tollen und erlebnisreichen Flugtag ab! Einzig das On-Bord-Catering war eines französischen Flugzeugs unwürdig.

Champagner nach der Landung! Das machen wir jetzt immer so!

Champagner nach der Landung! Das machen wir jetzt immer so!

Wir sind insgesamt 468,2 nm (867,1 km) in 4h 33 Min geflogen.

Die neue Katana ist ein schönes und reisetaugliches Flugzeug. Es macht viel Spaß mit ihr zu fliegen und ich hoffe die Ummeldung wird bald erfolgt sein, so dass auch viele andere Mitglieder in den Genuss kommen und vielleicht auch mal eine weitere Strecke fliegen. Sicher haben schon einige das Flugzeug in Kamp-Lintfort bewundert und konnten sich von dem super Zustand überzeugen.

Many happy landings mit der zukünftigen D-EVSL!

Peter Blumbach